das tägliche brot - für alle

Den meisten von uns geht es Gott sei Dank gut. Wir sind gesund, haben ein gesichertes Einkommen und brauchen uns um das tägliche brot keine Sorgen zu machen.

Doch gerade in der heutigen Zeit gibt es mitten unter uns immer mehr Menschen, die durch gesundheitliche oder finanzielle Schicksalsschläge "aus der Bahn geworfen" wurden. Viele dieser Menschen geraten hierbei in arge Not. Und oftmals fehlt zum Monatsende sogar das Geld für das Lebensnotwendige. das tägliche brot ist bei uns - auch für viele Kinder - längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Seit Mai 2007 verteilt das tägliche brot - eine Initiative der Cityseelsorge und des Pastoralteams - an jedem Samstag Lebensmittel an Arme und Bedürftige in der Krefelder City.
Waren es zunächst noch zwischen 100 und 140 Menschen, die jede Woche zur Lebensmittelausgabe kamen, so sind es mittlerweile ca. 225 Menschen, die samstags das tägliche brot an der Stadtkirche abholen.

Alte Menschen sind darunter, deren Rente nicht weit reicht; Familien oder Alleinerziehende mit Kindern, die mit ihrem geringen Einkommen nicht zurechtkommen; Menschen ohne Arbeit oder mit ganz geringem Verdienst; "Menschen auf der Straße" und "Gestrandete" aus vielen Ländern der Welt. Die meisten von ihnen fragen dabei nicht um das tägliche brot für sich allein, sondern sorgen sich um ihre Kinder, Familien und Partner.

Vielfältig sind die Lebenswege und auch die Notsituationen von Menschen, deren berufliche Existenz und familiäre Geborgenheit zerbrach, deren persönliches Leben "scheiterte", die unverschuldet in Not gerieten, die in Abhängigkeiten "Zuflucht" suchten.

Diese Menschen brauchen unsere Wertschätzung, Zuwendung und vor allem auch das tägliche brot.

10 Jahre das tägliche Brot

„Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Lk 9,13) – 10 Jahre das tägliche brot

 

Nach wie vor leben wohl mehr Menschen als wir vermuten in Armut – auch mitten unter uns. Und oftmals fehlt zum Monatsende sogar das Geld für Nahrungsmittel. In dieser Situation hilft das Projekt das tägliche brot den Armen im Herzen der Stadt seit nunmehr 10 Jahren unmittelbar. Hier erfahren „Menschen auf der Schattenseite des Lebens“ jene Wertschätzung und Achtsamkeit, die ihnen ansonsten oftmals vorenthalten werden.

Im Pastoralteam der Stadtgemeinde wurde seiner Zeit thematisiert und fokussiert: Wie können wir helfen? Wie können wir „da sein“ für Menschen in Not? „Gebt ihr ihnen zu essen!“, heißt es bei Lukas. Diese Botschaft des Evangeliums - schlicht, eindeutig, wegweisend, herausfordernd und bewegend wohl auch – gab den Leitimpuls, zeigte die Chance und Herausforderung auf, Not leidende Menschen in der City mit Lebensmitteln zu unterstützen und den Familien, gerade über den Sonntag, konkrete Hilfe zu geben. So entstand der Gedanke einer Lebensmittelausgabe – einer Renaissance gleichsam der mittelalterlichen „Brotbank“ - an der Krefelder Stadtkirche.

Nationalität oder Religionszugehörigkeit haben bei diesem Projekt keinerlei Bedeutung. Im Mittelpunkt steht allein der Mensch, der ohne Vorbehalt angenommen wird und der ein willkommener Gast ist. Und diese Gäste sind Juden und Muslime, Christen unterschiedlicher Konfession, Hindus, Buddhisten oder Andersgläubige. Sie alle spüren, dass sie rund um das tägliche brot willkommen sind und dort geachtet sowie wertgeschätzt werden. Es sind Menschen, die sich oftmals fühlen wie ein Blatt im Wind, umher getrieben, orientierungslos und ihrer Würde so manches Mal beraubt. Diese Menschen sollen spüren und erleben, dass sie etwas Einzigartiges, Wesentliches und Unverzichtbares sind vor Gott.

„Gib uns heute das Brot, das wir brauchen.“ (Mt 6,11) Menschen brauchen das tägliche brot, aber auch ein freundliches Wort, Achtsamkeit, Wertschätzung und wohltuende Zuneigung. „Gebt ihr ihnen zu essen!“, sagt Jesus und er vertraut zutiefst darauf, dass wir seine Botschaft verinnerlichen und unter uns lebendig werden lassen, weil diese doch so einleuchtend und ermutigend ist.

Nach 10 Jahren vielfältigen und wohltuenden Engagements vieler Freiwilliger, nach 10 Jahren hilfreicher, orientierender sowie Not wendender Unterstützung vieler SpenderInnen und SponsorInnen, nach 10 Jahren bedeutsamer Begegnungen, tiefgreifender Freundschaften und ermutigender Kontakte gilt es, von ganzem Herzen allen Menschen rund um das tägliche brot zu danken und Gottes Segen zu wünschen. Sie alle sind Geschenk für diese Welt.

Mögen dennoch „künftige Jubiläen“ entbehrlich sein, weil eine Welt in „Frieden und Gerechtigkeit“, so wie es uns im Psalm 85 verheißen ist, hier in Krefeld und allerorts weltweit das tägliche brot allen Menschen gleichermaßen sowie ohne „Wenn und Aber“ schenkt.

Karl-Heinz Hermanns

 

 

Die diakonische Initiative das tägliche brot begeht ihren 10. Geburtstag

 

Vor 10 Jahren wurde die Lebensmittel – Ausgabestelle das tägliche brot gegründet. Cityseelsorger und Initiator
Karl-Heinz Hermanns sagte damals: „Am 17. Mai 2007 begannen wir, nicht wissend, was uns erwartet“. Lediglich ein
Plakat an der Dionysiuskirche diente zunächst als Werbung. Etwa 30 Menschen fanden den Weg ins Pfarrhaus. Eine Woche später waren es schon hundert und innerhalb des ersten Jahres etwa zweihundert Arme und Bedürftige., die regelmäßig samstags gespendete Lebensmittel erhielten.

In den Jahren 2008, 2009 und 2010 beteiligte sich die Initiative am Besonderen Weihnachtsmarkt am Platz vor der Alten Kirche. Dadurch wurde das tägliche brot bekannter. Karl-Heinz Hermanns nutzte seine vielfältigen Kontakte und baute einen Kreis von regelmäßigen Spendern auf. 2009 wurde mit Hilfe von Sponsoren ein kleiner Lieferwagen, sowie ein Anhänger angeschafft. Für den Lieferwagen und den Anhänger fand man jeweils einen Parkplatz in der Tiefgarage des Hauses der Region am Dionysiusplatz.

Beim 5- jährigen Bestehen der Initiative waren bereits 346 Gästekarten im Umlauf. Im Februar 2017 sind es fast 500 Gästekarten. Hinter den Gästekarten verbergen sich ca. 1500 Menschen: 859 Erwachsene und 604 Kinder.

Der Mitarbeiterkreis stieg bis auf aktuell 35 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. War zunächst das Pfarrhaus, Dionysiusplatz 23, Ort der Lebensmittelausgabe, so hielt das tägliche brot im Januar 2012 Einzug in die Stadtkirche St. Dionysius. Die beiden Pfarrhäuser gegenüber dem Nordeingang der Stadtkirche waren verkauft worden und wurden 2011 abgerissen. Auf diesem Grundstück und dem des Papst- Johannes-Hauses, wurde der Neubau der Volksbank errichtet.

Das Pastoralteam und die Gremien der Kirchengemeinde hatten sich entschlossen die Lebensmittelausgabe in der Stadtkirche vorzunehmen, ganz in der Tradition der mittelalterlichen Brotbänke als Initiative der Cityseelsorge und des Pastoralteams der katholischen Kirchengemeinde Papst Johannes XXIII.

Diese Entscheidung war nicht unumstritten, doch wurde die Lebensmittelausgabe bei der Mehrheit der Gottesdienst-
und Kirchenbesucher sehr positiv aufgenommen.

Der Kapellenraum hinter dem Standort des damaligen Tabernakels, diente fortan als Lagerraum, in dem Holzböcke und
schwere Tischplatten ebenso gelagert wurden wie Grundnahrungsmittel d.h., Milch, Käse, Nudeln, Reis, Kartoffelpüree und Konserven, die von Spenden bei einem Discounter eingekauft wurden.

Die Mehrheit der Lebensmittel wurde entweder vom eigenen Lieferwagen beim Zentrallager des Tafel e.V. abgeholt, oder von den Lieferfahrzeugen des Tafel e.V. angeliefert. ​Im Jahre ​2012  beendete Cityseelsorger Karl-Heinz Hermanns seinen Dienst an der Stadtkirche​.

Im September 2013 wechselte ich von St. Augustinus nach Papst Johannes XXIII. und übernahm die Leitung der Kirchentafel. Durch die Flüchtlingswelle ist der Anteil der Menschen mit Migrations- und Flüchtlingshintergrund seitdem immer größer geworden. Die Gäste kamen zunächst über das Nordportal in die Stadtkirche. Die Tische wurden auf der Höhe des Marienaltars aufgebaut.

Ein besonderer Einschnitt in der Geschichte der Initiative war die Umbauphase der Stadtkirche St. Dionysius. Von November 2014 bis Januar 2015 fand die Lebensmittelausgabe in einem angemieteten Geschäftslokal auf der Marktstraße statt. Voraus gingen Arbeiten, die das Lokal und den Hof für den vorübergehenden Zweck vorbereiteten. Mitte Februar 2015 erfolgte der Einzug in das umgebaute Lager in der Kirche, in dem eine zweite Ebene eingezogen und ein großer Kühlraum eingebaut worden war.

Vom regionalen Caritasverband wurde eine Ladevorrichtung und ein Lastenaufzug gespendet. Nach dem Einzug erfolgte der Einlass der Gäste durch das Südportal der Stadtkirche. Durch den Neubau der Volksbank musste ein neuer Standort der Müllbehälter gefunden werden. Es konnte mit dem Büro der Regionaldekane und dem Generalvikariat in Aachen Einigung darüber erzielt werden, dass die Müllbehälter zu denen des Hauses der Region In den Keller gestellt werden konnten.

Nach einem Unfall mit dem Lieferfahrzeug musste 2016 ein neues angeschafft werden. Aufgrund der zunehmenden Warenmenge entschied die Leitung sich für einen Bus.

Aktuell haben wir neben den einheimischen Gästen Menschen aus den Balkan-Staaten, aus Staaten der russischen Föderation, aus Polen, Ukraine, Ungarn, Türkei, Armenien, Irak, Iran, Syrien, Pakistan, Afghanistan, Kasachstan und der Mongolei. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mittlerweile dazu gestoßen, die Arabisch und Kurdisch und Farsi sprechen.
Die aktuellen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind Ehrenamtliche, die in Erwerbsarbeit stehen, Rentner und Rentnerinnen, Jobber und Menschen, die ihre Sozialstunden abbauen. Auch sie sind von der Nationalität eine gemischte Gruppe.

Freitags dauert die Annahme und Sortierung, der von den Lieferwagen der Krefelder Tafel-Zentrale als auch vom eigenem Fahrzeug angelieferten Lebensmittel ca. 3 bis 3 ½ Stunden. Der Zeitraum für die Vorbereitung und die Aufräumarbeiten am Samstag betragen im Schnitt 6 Stunden.

Das 10 jährige Bestehen der Initiative das tägliche brot ist ein Grund gemeinsam mit den anderen Akteuren des Krefelder Sozialbündnisses nach den Ursachen der Armut zu fragen, sie zu benennen und öffentlich Partei zu ergreifen für die Armen und Bedürftigen unserer Stadt.„10 Jahre das tägliche brot“ ist ein Grund sich in der entstandenen Gemeinschaft friedlich und fröhlich zu begegnen.

Bernd Kaesmacher, Gemeindereferent